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Benarys verlorener Schatz

Ende 2019 hatte das Garten- und Friedhofsamt Erfurt einen Urban Gardening Wettbewerb zum Thema essbare Stadt gestartet. Wir haben uns mit der Idee der Benary Beete beworben und damit eine zweijährige Patenschaft für drei Hochbeete gewonnen.

Hier geht’s zur Mitteilung der Stadt Erfurt.

Die Idee

Wenn Ernst Benary aus dem Fenster seiner Villa auf den nach ihm benannten Platz blicken würde, wäre er sicher traurig dort so viel Rasenfläche zu sehen. Da Benary maßgeblich zur Gartenbaugeschichte von Erfurt beigetragen hat, wurde ihm zu Recht ein Denkmal auf dem Benary-Platz errichtet. Auch wenn der Name Benary heute vor allem mit Zierpflanzen in Verbindung gebracht wird, war er auch maßgeblich mit der Kultivierung von Nutzpflanzen, insbesondere Gemüsesorten beschäftigt, die heute leider in Vergessenheit geraten sind.

Lasst uns Ernst Benarys Erbe wieder Leben einhauchen, indem wir längst verloren geglaubte Gemüsesorten direkt auf dem Benary-Platz kultivieren!

Zur Bepflanzung sollen ausschließlich Gemüsesorten verwendet werden, welche im Album Benary (1876 – 1893) aufgeführt sind. Es wird eine Mischkultur mit harmonierenden Gemüsesorten angelegt. Durch die Auswahl früher, mittelfrüher, später und winterharter Sorten soll erreicht werden, dass ganzjährig Pflanzen im Hochbeet zu sehen sind und idealerweise auch ganzjährig geerntet werden können.

Der Nachhaltigkeitsaspekt ergibt sich vor allem aus der Erhaltung alter Sorten (Verwendung von samenfestem Saatgut) und damit Erhöhung der Biodiversität. Selbstverständlich erfolgt eine biologische Bewirtschaftung (ohne Pestizide, Kunstdünger, etc.).  Außerdem dienen die Hochbeete der Umweltbildung. Durch die angebrachten Pflanzensteckbriefe kann die Gartenbaugeschichte Erfurts am lebenden Objekt veranschaulicht werden. Für die Besucher wird es spannend zu sehen sein, dass Gurken auch weiß, Erbsen blau und Salate rot sein können.

Eingereichte Skizze Ideenwettbewerb essbare Stadt

Über Ernst Benary

Ernst Benary (*1819; † 1893) war ein Erfurter Gartenbauunternehmer.

Ab 1835 machte er eine Gärtnerausbildung „der Kunstgärtnerei“ in Erfurt. Nach seiner Ausbildung ging er auf Wanderschaft, von Frankfurt am Main über Frankreich; Haage und England.

1843 gründete er in Erfurt eine selbständige Kunst- und Handelsgärtnerei. Er spezialisierte sich immer mehr auf die Anzucht und den Vertrieb von Blumen- und Gemüsesamen und wurde 1849 mit der Herausgabe fremdsprachiger Kataloge auch international tätig. „Wie die Saat – so die Ernte“ wurde sein Wahlspruch, den man später an dem Geschäftsneubau in der Gorkistraße verewigte.

Etwa 100 Züchter in allen Erdteilen arbeiteten mit der Firma Benary zusammen. In den fast 50 Jahren seiner Geschäftsführung konnte er die Firma zu einem weltweit maßgebenden Lieferanten von Gartensamen entwickeln und trug dazu bei, dass Erfurt den Beinamen Blumenstadt erhielt und Deutschland zu einer Wiege der kommerziellen Saatguterzeugung und der systematischen Pflanzenzüchtung wurde.

Benarys soziales Engagement

Noch vor der Einführung der Bismarck’schen Sozialgesetzgebung schuf er eine eigene Betriebskrankenkasse. Seine Ehefrau kümmerte sich um erkrankte Mitarbeiter und junge Mütter mit ihren Neugeborenen. Eine gut ausgestattete Hilfskasse für die Alten bildete den Vorläufer der betrieblichen Altersvorsorge.

Testamentarisch verfügte er stattliche Geldbeträge für gemeinnützige Zwecke. Der Stadt Erfurt vermachte er mehrere Grundstücke, die zwischen der Gothaer Straße und der heutigen Straße des Friedens gelegen waren und etwa 5.700 m² umfassten. Er bestimmte, dass hierauf eine Erholungsfläche für seine Mitbürger entstehen und für immer erhalten bleiben solle.

„Benarys verlorerner Schatz“

Heute wird Benary fast nur noch mit Blumenzüchtungen in Verbindung gebracht. Seine Errungenschaften im Bereich der Anzucht und Weiterentwicklung von Gemüse und Kräutern sind in Vergessenheit geraten. Deshalb sollen in diesen Hochbeeten ausschließlich Originalsorten aus dem Album Benary wachsen. Auf den Pflanzensteckbriefen finden sich Details zu jeder Sorte.  

Die Umsetzung

Die Benary Beete 2020

Leider hatte die Stadt die Hochbeete erst Anfang Juli 2020 aufgestellt, also eigentlich viel zu spät für die meisten Pflanzen. Wir haben trotzdem noch fleißig ausgesät, aber leider sind nur wenige Pflanzen noch ausreichend gewachsen. Vor allem die Kreuzblüter hatten keine Chance gegen die gefräßigen Raupen, die in dieser Jahreszeit ihren Höhepunkt haben. Ein weiteres Problem stellte die Bewässerung dar: der sonst fröhlich plätschernde Benary-Brunnen nebenan war 2020 ganzjährig trocken gelegt, sodass kein Gießwasser zur Verfügung stand und im Hochsommer täglich mehrere Gießkannen von der Wohnung zu den Hochbeeten hätten getragen werden müssen – das war im Alltag leider nicht umsetzbar. Ein weiteres Erschwernis: die Stadt hat die Beete direkt unter einem Haselnussbaum aufgestellt. Ab September stürzten dann die reifen Haselnüsse auf die Hochbeete und rissen Löcher in die Blätter der Gurken- und Bohnenpflanzen.

Hier seht ihr die „kurze weiße Traubengurke“ und die „gelbe Pariser Buschbohne“ als Zeichnung von Benary und wie sie in den Hochbeeten wachsen.

Trotz der erschwerten Umstände lassen wir uns nicht entmutigen und werden die Hochbeete im BUGA Jahr 2021 nochmal mit vollem Einsatz bepflanzen.

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