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Gärtnern als politisches Statement

Eines unserer größten gesellschaftlichen Probleme ist die konventionelle Landwirtschaft.

  • Durch den Einsatz von Düngemitteln wird unser Grundwasser verseucht,
  • Pestizide verursachen Artensterben,
  • Monokulturen laugen unsere Böden aus und machen sie unfruchtbar.
  • Obst und Gemüse wird zu jeder Jahreszeit um die ganze Welt transportiert, z.B. werden Blaubeeren aus Chile eingefolgen, damit wir im Winter nicht auf diesen Genuss verzichten müssen. Durch diesen Tranport-Irrsinn entstehen Unmengen an klimaschädlichen Emissionen.
  • Auf der ganzen Welt, auch in Europa werden Menschen in Notlagen ausgebeutet, um billige Lebensmittel für die großen Supermarktketten zu produzieren.
  • Die Artenvielfalt schrumpft, weil nur wenige Gemüssorten den gewünschten Ertrag bringen oder viele Pflanzen nicht dem Chemiecocktail in Form von Pestiziden standhalten.
  • Und das Schlimmste dabei: ein Drittel der auf Kosten unserer Umwelt produzierten Lebensmittel landet am Ende im Müll! Da werden Blaubeeren unter Einsatz von Pestiziden erzeugt, in Plastik verpackt, und um die ganze Welt geflogen, damit wir sie hier wegschmeißen…

Sein eigenes Gemüse anzubauen, kann diese Probleme zwar nicht lösen – hierfür braucht es politischen Willen, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Wenn jeder nur einen kleinen Teil seines Bedarfs mit selbst angebautem Gemüse decken würde, träge das deutlich zu einer Reduzierung der Umweltauswirkungen bei.

Auch auf kleinem Raum kann man ohne Kunstdünger oder Pestizide einen beachtlichen Ertrag erzielen. Statt Kunstdünger verwendet man Bio-Kompost, Schafswollpellets oder Regenwurmhumus. Statt Pestizide zu versprühen, pflanzt man Mischkulturen, die sich auf natürliche Weise vor Schädlingen schützen oder behandelt mit Pflanzenjauchen z.B. aus Brennnessel. Auf diese Weise wird auch in einem einfachen Pflanzekübel vielfältiges Bodenleben erhalten und damit die Fruchbarkeit der Erde gefördert.

Unnötige Transporte sind ohnehin hinfällig. Von meiner Terrasse bis in die Küche sind es ca. 15 m, die kann man problemlos zu Fuß und völlig emmissionfrei zurücklegen. 😉 Was dann auf dem Teller landet ist ultrafrisch und enthält maximal viele Vitamine (bei langer Lagerung reduziert sich der Vitamingehalt deutlich).

Da ich nicht nur leidenschaftliche Gemüsegärtnerin, sondern auch Hobbyköchin bin, schätze ich insbesondere auch die Sortenvielfalt. Ich liebe es immer wieder neue Gemüsesorten anzubauen und die verschiedenen Geschmacksnuancen zu ergründen. Ob lila Kohlrabi, gelbe Zucchini, blaue Kartoffeln, schwarze Tomaten oder Zitronengurken, es gibt soooo viele tolle Sorten, die fast in Vergessenheit geraten sind und die unbedingt erhalten werden sollten. Damit leiste ich auch einen kleinen Beitrag zur Artenvielfalt und Erhaltung von Sortenraritäten (insbesondere durch die Gewinnung von eigenem Saatgut).

Wenn man sein selbstangebautes Gemüse isst, spart man sich außerdem eine ganze Menge Verpackungmüll. Lediglich die natürliche Verpackung in Form von Gemüseschalen fällt als Abfall an. Und selbst die kann man weiterverwerten, z.B. indem man die Küchenabfälle in einem Regenwurmkomposter zu wertvoller Pflanzennahrung verwertet.

Wer viel Zeit und Leidenschaft in den Anbau seines eigenen Gemüses investiert hat, wird es nicht übers Herz bringen mehr als nötig davon wegzuwerfen. Man lernt den Wert von Lebensmitteln wieder zu schätzen, weil man weiß weiviel Arbeit dahinter steckt. Und man wird kreativ bei der Verarbeitung von Pflanzenteilen, die sonst auch im Müll landen würden. So kann man z.B. ein Pesto aus Möhrengrün zubereiten, Kohlrabiblätter dünsten oder eine Brühe aus Zwiebelschalen kochen. Damit leistet Gärtnern auch einen wichtigen Beitrag gegen die Lebensmittelschwendung.

Und zu guter Letzt, lernt man wann, welche Sorten Saison haben und hinterfragt kritisch wieso es im Supermarkt im Januar Melonen, Blaubeeren und Auberginen gibt. Jede Konsumentscheidung ist auch eine politische Entscheidung!

Grüne Grüße von Dachgemüse!