Veröffentlicht am 6 Kommentare

Kompostieren ohne Garten – der Regenwurmkomposter

In der Stadt in der ich lebe, gibt es skandalöser Weise keine Biotonne! Das heißt wertvolle Pflanzen- und Gemüseabfälle landen einfach im Restmüll. Ich halte das für eine riesen Verschwendung und habe mir deshalb vor ca. einem Jahr einen Regenwurmkomposter zugelegt. In diesem kann man auch ohne Garten seine Gemüseabfälle zu eigenem Kompost verarbeiten. Das hat zum einen den Vorteil, dass Lebensmittelabfälle nicht in der Tonne landen und zum anderen erspart man sich das Kaufen und transportieren von teurem, in Plastik verpackten Kompost aus dem Baumarkt.

Regenwurmkomposter
Worm Cafe von Tumbleweed

Ich habe mich damals für das Worm Cafe von tumbleweed entschieden. Das Teil besteht aus:

  • einem Sammelbehälter auf vier Beinen mit Zapfhahn
  • drei stapelbaren Arbeitsaufsätzen und
  • einem Deckel mit Belüftungs-löchern.
  • Außerdem wird ein Kokosfaserblock als Startsubstrat für die Würmer mitgeliefert.

Die Würmer müssen extra bestellt werden. Am besten startet man mit einem Eimer Kompostwürmer a 1.000 Stück.

Das Kokossubstrat lässt man in Wasser aufquellen, sodass es nicht zu nass ist (Feuchte eines ausgedrückten Schwammes) und füllt es in den ersten Arbeitsaufsatz. Dann kommen die Würmer dazu. Am besten deckt man das ganze mit einer feuchten Pappe ab, um die Würmer vor Austrocknung und Licht zu schützen

Nun können Küchenabfälle, wie Gemüseschalen auf das Substrat gegeben werden. Die Würmer fressen die Reststoffe und wandeln das organische Material in perfekten Pflanzendünger um, der reich an Mineralien, Spurenelemeten und Mikroorganismen ist. Der so entstehende Wurmhumus ist natürlicher Dünger und ideal zur Verbesserung des Bodens geeignet. Zusätzlich kann man die, über den Zapfhahn entnehmbare, Flüssigkeit als Flüssigdünger verwenden.

Der unterste Behälter wird nun nach und nach mit Küchenabfällen befüllt. Sobald er voll ist, kann der zweite Behälter aufgesetzt und mit Essensresten befüllt werden. Die Würmer wandern dann automatisch nach oben in die zweite Etage. Auch die zweite Ebene wird koninuierlich befüllt, bis auch dieser Behälter voll ist und der dritte Arbeitsaufsatz darauf positioniert werden kann. Spätestens wenn die dritte Etage vollständig von den Würmern besiedelt wurde, kann der unterste Arbeitsaufsatz samt Inhalt enommen und der darin enthaltene Wurmhumus verwendet werden. Das sollte nach ca. 6 Monaten der Fall sein. Der entleerte Behälter kann dann wieder oben aufgesetzt werden und so weiter…

Da es vor allem beim Gemüseanbau in Kübeln eine Herausforderung ist die Erde fruchtbar zu halten, kann der Wurmkompost einen wichtigen Beitrag für einen gesunden Boden leisten.

Was und Wieviel die Würmer fressen

Unter guten Bedingungen verarbeiten die Würme 250 – 500g Küchenabfälle am Tag und können so die organischen Reste eines zwei bis vier Personen-Haushalts verwerten. Die Verwertungsleistung steigt mit der Zeit, da sich die Würmer an ihre neue Umgebung gewöhnen und vermehren. Die Würmer sollten immer dicht unter der Oberfläche arbeiten, wenn sie das nicht tun, befindet sich zu viel Material im Komposter und man sollte eine Fütterungspause einlegen.

Für die Verdauung benötigen die Würmer 20 – 30% Faserstoffe, also Pappe und Papier. Deshalb sollte man neben Gemüseabfällen auch zerrissene Eierkartons, Zeitungen und Ähnliches mit hinzugeben (keine Hochglanzbroschüren).

Wurmfutter

Auch Würmer mögen abwechslungsreiche Kost und nehmen vielfältige Abfallarten dankend an. Schalen von Zitrusfrüchten und Zwiebeln sollten nur in kleinen Dosen kompostiert werden, weil sie von den Würmern gemieden werden. Für die Säureregulierung ist es außerdem sinnvoll regelmäßig zerkleinerte Eierschalen hinzuzufügen. Je kleiner die Stückchen, desto besser können die Würme das Futter verarbeiten.

Als Futter eignen sich Gemüse- und Obstschalen, Teebeutel, Kaffeesatz, der Inhalt des Staubsaugerbeutels, Baumwolle, Haare, Zeitungen, Pappe, Eierschalen, Sägespäne, ….

Bitte keine tierischen Produkte, wie Käse- und Fleischreste, sowie stark gewürzte Essenabfälle verfüttern! Auch Rasenschnitt und Laub sind nicht geeignet.

Die Würmer können problemlos ein paar Wochen lang fasten, z.B. wenn man im Urlaub ist und in der Zwischenzeit keine Küchenabfälle nachliefert.

Der richtige Standort

Der Wurmkomposter sollte vor direkter Sonne, starkem Regen und Kälte geschützt sein. Da er keine schlechten Gerüche entwickelt, kann man ihn auch bedenkenlos im Innenraum, z.B. in der Küche platzieren. Die Würmer arbeiten ideal bei Temperaturen zwischen 15 und 20°C, was ebenfalls für einen Platz in der Wohnung spricht.

Ich war diesbezüglich etwas skeptisch und habe ihn auf die Terrasse gestellt. Ich dachte in der Ecke unter meinem Pflanzregal wäre er sicher gut aufgehoben und ausreichend vor Kälte, Hitze und Regen geschützt. Fehlanzeige! Im Winter wird es viel zu kalt und bei unter 5°C stellen die Würmer ihre Arbeit ein. Wenn die Sonne scheint, werden es mal schnell 30°C und mehr auf der Terrasse. Dank schwarzer Farbe heizt sich das Worm Cafe vermutlich noch stärker auf. Letzten Sommer war es sooo heiß, dass sich meine Wurmpopulation stark dezimiert hat. Und die Temperaturschwankungen waren ebenfalls nicht förderlich für die Resteverwertung. Die Würmer haben nur sehr wenig gefressen und damit nicht annäherend so viele Küchenabfälle verwertet, wie geplant.

Wurmkomposter im Pflanzregal
Pflanzregal

Auch wenn der Regenwurm-komposter ideal in mein Pflanzregal passt, wird er nun in die Küche umziehen. Dort hoffe ich auf stabilere Bedingungen für die Würmer und damit einhergehend eine bessere Verwertungsquote meiner Küchenabfälle. Außerdem hat es den Vorteil, dass ich den Bioabfall direkt an Ort und Stelle entsorgen kann.

Grüne Grüße von Dachgemüse!

6 Gedanken zu „Kompostieren ohne Garten – der Regenwurmkomposter

  1. Interessanter Bericht. Wenn wir keinen Kompost hätten, würde ich das auch mal probieren.

  2. Das ist ja eine super Idee! Ich habe einen Komposter. Aber der will nicht so richtig. Mal zu naß mal zu trocken. Ich glaube die Würmer sind nicht gut in Schuss. Sollte vielleicht noch mal welche nachlegen.

    1. Wo hast Du Deinen denn aufstellt?

  3. […] Dachgemüse dreht sich im neuesten Beitrag alles um den Wurm auf dem Balkon, genauer gesagt im Wurmkomposter. Ich wollte das schon immer […]

  4. So ein Komposter ist für den Balkongärtner Goldwert. So viel Platz habe ich auf meinem Balkon leider nicht, dafür verwende ich einen „Kubi“. Es ist eine Art Hochbeet mit integriertem Kompostschacht. So viel Abfall passt das zwar nicht hinein, dafür fühlen sich meine Würmer seit Jahren pudelwohl 😉 Für den kleineren, robusten Balkon durchaus zu empfehlen.

Schreibe einen Kommentar zu schmoddd Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.